KI einordnen, Transformation strukturieren und Mitarbeitende befähigen

Wie wir die bluechip Computer AG KI vom Experiment zur skalierbaren Anwendung begleitet haben

1. Ausgangslage: Viel Aktivität, wenig Richtung

Die bluechip Computer AG entwickelt und vertreibt IT-Infrastrukturlösungen von Hardware über Cloud bis zu Services. Gerade daraus entsteht die Herausforderung, KI sinnvoll einzuordnen, sicher zu nutzen und in konkrete Anwendungen zu überführen.

Wie in vielen mittelständischen Unternehmen zeigt sich ein vertrautes Bild: Engagierte Mitarbeitende treiben das Thema KI mit hoher Eigeninitiative voran und setzen Impulse, während andere sich schrittweise annähern. Daraus entsteht eine gewisse Heterogenität in der Nutzung und im Erfahrungsstand.

Aus IEB-Sicht zeigt sich hier ein Spannungsfeld, das wir aus vielen Projekten kennen: der Anspruch, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten, ohne dabei Innovationsfähigkeit einzubüßen. Genau hier setzt unser Ansatz an. Zunächst wird belastbare Orientierung zu relevanten technologischen und marktseitigen Entwicklungen geschaffen. Darauf aufbauend werden wenige, klar priorisierte Handlungsfelder definiert und konsequent in die Umsetzung überführt, eingebettet in verbindliche Leitplanken und flankiert durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen.

2. Orientierung: Trendradar als Entscheidungsgrundlage

Am Anfang stand die Frage, welche technologischen Entwicklungen für bluechip tatsächlich relevant sind.

Ein technologisches Trendradar schafft für mittelständische Unternehmen frühzeitige Orientierung über relevante Entwicklungen, ermöglicht eine klare Priorisierung von Investitions- und Innovationsthemen und reduziert strategische Unsicherheit durch eine strukturierte, faktenbasierte Entscheidungsgrundlage.

In einem gemeinsamen Workshop wurden die 4 Unterthemen entlang von Relevanz und Umsetzbarkeit priorisiert und anschließend in konkrete Anwendungsfelder für bluechip übersetzt. Die Ergebnisse wurden in einem visuellen Trendradar zusammengeführt, das als Entscheidungsgrundlage für die weiteren Schritte dient.

Ein zentrales Ergebnis des Trendradars war die klare Priorisierung von Künstlicher Intelligenz als wirkungsvollster Hebel.

Die Trendübersicht hat uns einen breiten Einblick in Benchmarks am Markt und eine fundierte Analyse unserer strategischen Ausrichtung für die Zukunft ermöglicht.

3. Struktur: Strategie und Governance als Fundament

Methodisch folgte die Zusammenarbeit am Themenfeld Künstliche Intelligenz einem Dreiklang aus Reifegradanalyse, Strategieentwicklung und Governance. Zunächst wurde transparent gemacht, welche technischen, organisatorischen und kulturellen Voraussetzungen bereits vorhanden sind. Darauf aufbauend wurde ein Zielbild für den zukünftigen KI-Einsatz entwickelt und schließlich ein operativer Rahmen definiert, der die Umsetzung im Alltag absichert.

Den Ausgangspunkt mit der bluechip Computer AG bildete unsere wissenschaftlich fundierte KI-Reifegradanalyse. Damit haben wir die bestehende Ausgangslage im Umgang mit Künstlicher Intelligenz realistisch eingeordnet, um daraus priorisierte Handlungsfelder für die nächsten Schritte abzuleiten.

Der Prozess unserer Reifegradanalyse ist bewusst schlank und praxisnah angelegt: Zunächst erfolgte eine Online-Erhebung zur KI-Ausgangslage, die durch ein Interview ergänzt wird. In diesem Gespräch wurden die Ergebnisse gemeinsam gespiegelt, kontextualisiert und geschärft.

Die Analyse machte deutlich, dass bluechip bereits über eine belastbare Ausgangsbasis verfügt: eine Hardware- und Dateninfrastruktur, erste erprobte Anwendungsfälle sowie eine Bereitschaft im Unternehmen, KI in bestehende Prozesse zu integrieren. Gleichzeitig wurden konkrete Entwicklungsfelder sichtbar, insbesondere das Fehlen strukturierter, bereichsübergreifender Tools und Lernformate, Ungeübtheit im praktischen Umgang mit KI-Tools im Arbeitsalltag sowie die Notwendigkeit, Veränderung stärker kulturell zu verankern und aktiv zu begleiten.

Die Reifegradanalyse und KI-Strategie haben unseren Status quo im Unternehmen punktgenau getroffen und Hebel identifiziert, welche Step by Step angegangen werden müssen. Zusätzlich bildete die Strategie den Anker für die Implementierung erster Use Cases.

Parallel zur Strategie haben wir eine Governance-Struktur aufgebaut, die den Einsatz von KI im Alltag steuerbar macht.

Diese wurde bewusst als operativer Rahmen für den Alltag konzipiert. Sie schafft Klarheit darüber, wie KI eingesetzt wird, welche Verantwortung Mitarbeitende tragen und wie neue Anwendungen strukturiert eingeführt werden.

 

Im Kern umfasst die Governance fünf Elemente:

  1. Leitprinzipien wie Vertrauenswürdigkeit, Transparenz und menschliche Kontrolle
  2. klar definierte Rollen und Zuständigkeiten für Strategie, Umsetzung und Prüfung
  3. einen strukturierten Freigabeprozess für neue Tools und Anwendungen
  4. verbindliche Regeln für Datenschutz und den Umgang mit sensiblen Daten
  5. Qualitätssicherung durch konsequente Verankerung von Human-in-the-Loop

4. Umsetzung: Befähigung der Mitarbeitenden durch den KI-Führerschein

Strategie und Governance schaffen Orientierung, Wirkung entsteht jedoch erst im Arbeitsalltag. Deshalb haben wir gemeinsam mit der bluechip Computer AG den KI-Führerschein als praxisbasiertes Weiterbildungsformat entwickelt, das die Nutzung von KI in die Organisation trägt.

Didaktik: Lernen durch Anwendung

Der KI-Führerschein basiert auf einem anwendungsorientierten Lernansatz. Im Mittelpunkt steht nicht die reine Wissensvermittlung, sondern die direkte Anwendung im eigenen Arbeitskontext.

Das Programm ist als Präsenzformat aufgebaut und bietet Raum für praktisches Arbeiten, Ausprobieren und gemeinsame Reflexion. Die Teilnehmenden bearbeiten konkrete Aufgaben in Peer Groups und übertragen die Inhalte auf ihre eigenen Tätigkeiten.

So entsteht individuelles Verständnis in Verbindung mit gemeinsamem Lernen im Team. Der Einstieg erfolgt niedrigschwellig, der Fokus liegt früh auf der Anwendung. Das Programm schließt mit einem Zertifikat als formaler Qualifikation ab.

Tag 1: Individuelle Anwendung durch Effizienz

Der erste Tag fokussiert auf die konkrete Nutzung von KI im eigenen Arbeitskontext.
Die Teilnehmenden lernen, wie sie Tools wie Copilot gezielt einsetzen, entwickeln eigene Prompts und übertragen diese direkt auf ihre täglichen Aufgaben.

Ein zentraler Bestandteil ist das sogenannte Routinen-Mapping:
Wiederkehrende Aufgaben werden identifiziert und systematisch daraufhin geprüft, wie KI sinnvoll unterstützen kann.

Ziel des Tages ist es, erste spürbare Effizienzgewinne zu realisieren und Sicherheit im Umgang mit den Tools aufzubauen.

Routinen-Mapping ist eine Methode, um durch Wiederholung zur Routine gewordene Abläufe sichtbar zu machen. Es hilft dabei, zu identifizieren, wo durch effektive Delegation Verbesserungsbedarf besteht. Wenn Sie nicht sofort eine präzise Antwort geben können, machen Sie sich keine Sorgen. Die meisten Menschen führen ihre Arbeit automatisch aus, ohne sie aktiv zu beobachten.

Tag 2: Integration in Teams und Prozesse

Am zweiten Tag wird der Blick von der individuellen Nutzung auf die Zusammenarbeit im Team erweitert. Im Fokus steht die Integration von KI in bestehende Arbeitsprozesse, die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitenden und KI-Systemen sowie die Reflexion von Chancen, Grenzen und sinnvollen Einsatzfeldern. Die Teilnehmenden entwickeln ein Verständnis dafür, wie KI nicht nur einzelne Aufgaben unterstützt, sondern als Bestandteil von Teamarbeit und Organisation verstanden und eingesetzt werden kann.

Der Anreiz aller Mitarbeiter für den Umgang mit KI wurde geschärft. Erste Ideen für weiterführende Agenten Workflows konnten via Brainstorming ermittelt werden.

Wirkung: Vom Wissen zur Verhaltensänderung

Die Kombination aus Input, direkter Anwendung und gemeinsamer Reflexion sorgt dafür, dass nicht nur Wissen aufgebaut wird, sondern konkrete Verhaltensänderung entsteht.

Der zugrunde liegende Gedanke dabei:

KI entfaltet ihren Wert vor allem durch die gezielte Augmentierung menschlicher Fähigkeiten und weniger durch reine Automatisierung. Mitarbeitende werden in die Lage versetzt, ihre Handlungsspielräume zu erweitern, Entscheidungen fundierter zu treffen und ihre Arbeit im Zusammenspiel mit der Technologie effizienter zu gestalten.

5. Fazit

Die Zusammenarbeit zeigt, dass erfolgreiche KI-Transformation kein einmaliges Projekt ist. Erst das Zusammenspiel aus strategischer Einordnung, klaren Leitplanken und gezielter Befähigung schafft nachhaltige Wirkung.

Das Trendradar liefert Orientierung. Die Strategie schafft Klarheit. Die Workshops bringen die Umsetzung in den Alltag. Mit dieser Kombination konnten wir bei bluechip positive Ergebnisse erzielen:

Eine beginnende Annährung an die Veränderungen der Arbeitsanforderungen in der Zukunft ist spürbar und wird sukzessive über erfolgreiche Projekte sichtbar.

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